Montag, 2. Juni 2025

Indonesien plant Steuerreform: Weniger Steuern, mehr Einnahmen?

Indonesien steht vor einer ambitionierten steuerpolitischen Wende. Die Regierung unter Präsident Prabowo Subianto plant, die Steuersätze zu senken und gleichzeitig die Steuereinnahmen zu erhöhen. Dies mag auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingen, doch Hashim Djojohadikusumo, ein hochrangiger Berater und Bruder des Präsidenten, betont, dass dies durch eine Erweiterung der Steuerbasis möglich sein soll.  
 
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf Indonesiens Steuerstrategie, die Herausforderungen und die internationalen Vergleiche, die diesen Plan untermauern.

Ein niedriges Steuer-zu-BIP-Verhältnis als Ausgangspunkt
Laut einem Bericht der Weltbank aus dem März 2025 gehört Indonesien zu den Ländern mit den niedrigsten Steuereinnahmen weltweit. Mit einem Steuer-zu-BIP-Verhältnis von nur 9,1 % im Jahr 2021 liegt das Land deutlich unter dem Durchschnitt der mittleren Einkommensländer in Südostasien. 
 
Zum Vergleich: Kambodscha erreicht 18 %, die Philippinen und Thailand etwa 15 %, Vietnam 14,7 % und Malaysia 11,9 %. Über das vergangene Jahrzehnt ist Indonesiens Steuerquote sogar um 2,1 Prozentpunkte gesunken, was die Dringlichkeit einer Reform unterstreicht.

Die Regierung sieht in der niedrigen Steuerquote sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Anstatt die Steuersätze zu erhöhen, setzt sie auf eine Strategie, die mehr Menschen in das Steuersystem einbindet. „Wir werden die Steuersätze nicht erhöhen. Wir werden die Steuereinnahmen steigern, indem wir mehr Menschen, die derzeit noch keine Steuern zahlen, einbeziehen“, erklärte Hashim Djojohadikusumo gegenüber Kumparan.

Singapur als Vorbild: Niedrigere Steuersätze als Anreiz
Ein besonders spannender Aspekt der geplanten Reform ist die Orientierung an Singapur. Hashim deutete an, dass Indonesien die Steuersätze auf das Niveau des Stadtstaats senken könnte, der für seine niedrigen und attraktiven Steuersätze bekannt ist. Singapur erhebt eine einheitliche Körperschaftssteuer von 17 % und gestaffelte Einkommenssteuersätze zwischen 0 und 24 %, abhängig von persönlichen Freibeträgen und Abzügen. „Es gibt einen Plan, die Menschen durch eine Senkung der Steuersätze zu incentivieren“, so Hashim.

Diese Strategie soll nicht nur die Steuerzahler motivieren, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln, indem Unternehmen und Einzelpersonen mehr finanziellen Spielraum erhalten. Doch wie realistisch ist es, durch niedrigere Steuersätze höhere Einnahmen zu erzielen?

Herausforderungen: Geringe Steuerdisziplin und technische Hürden
Die indonesische Regierung steht vor mehreren Hürden. Der Weltbankbericht nennt geringe Steuerdisziplin, ineffektive Steuersätze und eine schmale Steuerbasis als Hauptgründe für die niedrigen Einnahmen. 
 
Laut der Generaldirektion für Steuern (DJP) haben bis zum Stichtag 1.April 2025 nur 12,34 Millionen Steuerzahler ihre Steuererklärungen eingereicht – davon 12 Millionen Einzelpersonen und der Rest Unternehmen. Das liegt deutlich unter den 12,7 Millionen des Vorjahres und weit hinter dem Ziel von 16,21 Millionen Steuererklärungen.
Zusätzlich belasteten technische Probleme die Steuererhebung. 
Die Einführung des neuen Coretax-IT-Systems Anfang 2025 führte zu Verzögerungen, weshalb einige Steuerzahler ihre Abgaben später einreichen durften. Dies spiegelt sich auch in den Staatseinnahmen wider: Im ersten Quartal 2025 sanken diese um 17 % im Vergleich zum Vorjahr, getrieben durch einen Rückgang der Steuereinnahmen um 18 % und der nicht-steuerlichen Einnahmen um 26 %. Der Anstieg der Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern um 12,3 % konnte diesen Rückgang nicht ausgleichen.

Schwache Unternehmensgewinne als zusätzliche Hürde
Die Ökonomin Hosianna Evalita Situmorang von der Bank Danamon führt den Rückgang der Steuereinnahmen auf schwächere Unternehmensgewinne und Arbeitseinkommen zurück, insbesondere in rohstoffbasierten Industrien. Laut einem Bericht der OECD aus dem Vorjahr machen Körperschaftssteuern (28,8 %) und Mehrwertsteuern (28,2 %) den größten Anteil der indonesischen Steuereinnahmen aus. Ein Rückgang der Unternehmensgewinne wirkt sich daher besonders stark aus.

Finanzministerin Sri Mulyani bleibt jedoch optimistisch und sieht in den März-Zahlen „Anzeichen einer vielversprechenden Verbesserung“. Dennoch bleibt die Frage, wie die Regierung die Steuerbasis erweitern will, ohne die Steuersätze zu erhöhen.

Ein Blick nach vorn: Chancen und Risiken
Die geplante Steuerreform könnte Indonesien wirtschaftlich voranbringen, wenn es gelingt, die Steuerbasis zu erweitern und die Steuerdisziplin zu verbessern. Ein Vorbild wie Singapur zeigt, dass niedrige Steuersätze in Kombination mit einer effizienten Verwaltung und hoher Compliance funktionieren können. Doch die Herausforderungen sind groß: Technische Probleme, wie beim Coretax-System, müssen gelöst, und die wirtschaftliche Erholung der rohstoffbasierten Industrien gefördert werden.

Indonesien steht an einem Scheideweg. Mit einer klugen Strategie könnte das Land nicht nur seine Steuereinnahmen steigern, sondern auch ein attraktiveres Umfeld für Investoren und Unternehmen schaffen. Ob die Regierung dieses ambitionierte Ziel erreichen kann, wird die kommenden Jahre zeigen.

Was denkt ihr? Kann Indonesien mit niedrigeren Steuersätzen tatsächlich mehr Einnahmen erzielen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen