Indonesiens neuer Energieplan und seine Bedeutung für Asien
Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südostasiens, steht vor einer Herausforderung: die Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Energiebedarf und Klimazielen. Mit dem neuen 10-Jahres-Energieplan (RUPTL 2025-2034) hat das Land angekündigt, weiterhin Kohlekraftwerke zu bauen – entgegen früherer Zusagen – und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voranzutreiben.
Indonesien, die größte Volkswirtschaft Südostasiens, steht vor einer Herausforderung: die Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Energiebedarf und Klimazielen. Mit dem neuen 10-Jahres-Energieplan (RUPTL 2025-2034) hat das Land angekündigt, weiterhin Kohlekraftwerke zu bauen – entgegen früherer Zusagen – und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voranzutreiben.
Indonesiens neuer Energieplan: Mehr Kohle, aber auch mehr Erneuerbare
Am 26. Mai 2025 veröffentlichte Indonesien seinen neuen Strombeschaffungsplan (RUPTL) für 2025-2034, der eine zusätzliche Kapazität von 69,5 Gigawatt (GW) vorsieht.
Erstmals machen erneuerbare Energien den Großteil aus: 42,6 GW stammen aus Solarenergie (17,1 GW), Wasserkraft (11,7 GW), Windenergie (7,2 GW), Geothermie (5,2 GW), Bioenergie (0,9 GW) und Kernenergie (0,5 GW). Dennoch plant das Land, 6,3 GW neue Kohlekraftwerke und 10,3 GW Gaskraftwerke zu bauen – ein Rückschritt gegenüber früheren Versprechen, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu errichten.
Tata Mustasya, Geschäftsführer der Indonesian Sustainable Welfare Foundation (Sustain), betont: „Um die Ziele zu erreichen, müsste Indonesien in den ersten fünf Jahren fünfmal und in den zweiten fünf Jahren elfmal schneller erneuerbare Energien ausbauen als bisher.“
Zwischen 2018 und 2023 wurden jährlich nur 0,53 GW erneuerbare Kapazität hinzugefügt, und das Ziel von 23 % erneuerbarer Energie bis 2025 wurde auf 17-19 % reduziert. Derzeit machen Wind- und Solarenergie weniger als 1 % der Stromerzeugung aus.
Herausforderungen: Kohle-Lobby und Infrastrukturdefizite
Herausforderungen: Kohle-Lobby und Infrastrukturdefizite
Kohle bleibt mit über 60 % der Stromerzeugung dominant, unterstützt durch eine starke Kohle-Lobby und eine staatliche Preisobergrenze für Kohlelieferungen. Gleichzeitig behindern unattraktive Einspeisetarife für Solaranlagen Investitionen, wie das Jakarta-basierte Institute for Essential Services Reform (IESR) kritisiert. Alle Kraftwerke müssen ihren Strom über die staatliche PLN verkaufen, was den Übergang zu erneuerbaren Energien erschwert.
Mutya Yustika vom Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) weist darauf hin, dass die Finanzierung der 16,6 GW fossiler Kapazität schwierig sein wird: „Viele internationale Banken finanzieren keine neuen Kohle- oder Gaskraftwerke mehr aufgrund strenger ESG-Richtlinien.“ Dies könnte den Ausbau erneuerbarer Energien begünstigen, da Solar- und Windenergie mittlerweile günstiger sind als fossile Brennstoffe.
Chancen: Erneuerbare Energien und regionale Kooperation
Indonesien setzt auf innovative Ansätze wie schwimmende Solaranlagen auf Stauseen und Offshore-Anlagen, um Landkosten und Umsiedlungen zu vermeiden.
Ein weiteres Highlight ist die geplante Kooperation mit Singapur: Ein Memorandum of Understanding (MoU) von März 2023 sieht den Export von 2 GW Solarstrom von Batam nach Singapur über ein Unterseekabel vor. Energieminister Bahlil Lahadalia sagte am 26. Mai: „Ein Abkommen mit Singapur steht kurz bevor.“ Diese Partnerschaft könnte Indonesien als Vorreiter für kohlenstoffarmen Stromexport in der Region etablieren.
Analysten wie Dody Setiawan vom Think-Tank Ember sehen im RUPTL einen Schritt in die richtige Richtung: „Der Plan unterstützt Indonesiens Ziel eines 8 % Wirtschaftswachstums und beginnt, die Dekarbonisierung anzugehen.“
Präsident Prabowo Subianto, der im Oktober 2024 sein Amt antrat, hat ein jährliches Wirtschaftswachstum von 8 % als Ziel ausgegeben, verglichen mit 5 % in den letzten Jahren.
Notwendige Reformen: Anreize und Infrastruktur
Notwendige Reformen: Anreize und Infrastruktur
Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, sind laut Tata Mustasya tiefgreifende Reformen nötig. Dazu gehören attraktivere Einspeisetarife für Solaranlagen, der Einsatz von Kohleabgaben für den Bau intelligenter Stromnetze und groß angelegte Ausschreibungen für Solarprojekte, um Skaleneffekte zu erzielen. Zudem plant Indonesien den Bau von 47.758 km neuen Übertragungsleitungen, um Java mit Sumatra und Kalimantan zu verbinden und ein einheitliches Stromnetz zu schaffen.
Dody Setiawan betont: „Die Erweiterung der Übertragungsleitungen ist entscheidend, um erneuerbare Energien mit den Nachfragezentren zu verbinden und die Netzstabilität zu erhöhen.“ Derzeit sind nur Java, Bali und Madura an ein zentrales Stromnetz angeschlossen, während andere Inseln unabhängig operieren.
Fazit: Indonesiens Weg zur nachhaltigen Energiezukunft
Indonesiens neuer Energieplan ist ein Balanceakt zwischen wirtschaftlichem Pragmatismus und Klimaverpflichtungen. Während der Ausbau erneuerbarer Energien Priorität hat, bleibt Kohle bis 2063 im Energiemix – ein Widerspruch zum Netto-Null-Ziel 2060. Dennoch bietet der Plan Chancen, insbesondere durch regionale Kooperationen wie mit Singapur und innovative Projekte wie schwimmende Solaranlagen. Mit den richtigen Reformen und Investitionen kann Indonesien eine führende Rolle in Asiens Energiewende übernehmen.
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